Sie ist weg… und das nicht allein
Geschrieben am | November 6, 2011 | 1 Kommentar
Im Leben begegnen Frau Fragen und Visionen, die ihr die Augen groß werden lassen.
Welchen Namen ich denn meinem Motorrad gegeben habe, z.B.. Erkundigte sich vor ca. 100 Jahren ein Klassenkamerad.
Dass er seit Jahren davon träume, mit einem Wohnmobil durch die Gegend zu ziehen, erzählte mir vor Kurzem dieser Mann.
Nun. Mein Verhältnis zu Autos und Gefährten ist ein pragmatisches, ich möchte von A nach B kommen, weil ich mal eben von A nach B will. Basta. Diesen Wohnmobiltraum schubste ich folglich in die Kategorie “Midlifecrisis” und das gehässige kleine Etwas im Ohr schob ein “spießig” hinterher. Denn: die wahre Travellerin kutscht natürlich mit einem rostigen VW-Bus durch die Gegend (dass sie dies nur in ihren frühen Erwachsenenjahren tat, trägt hier jetzt nix zur korrekten Einordnung der Tatsachen bei).
Dieser Mann jedoch ist gelernter Erzieher. Und arbeitet jetzt als Kommunikationsberater. Mit dem Ergebnis, dass wir hier landeten:
Erwin Hymer-Museum

Fängt niedlich an. Wurde auch erst eine Woche zuvor eröffnet. Kann ich museumspädagogische Durchdachtheiten erwarten. (Mal sehn….)
Von Wohnautos und unverheirateten Paaren
Mit Wohnmobils kenn ich mich nicht aus. Aber Sütterlin kann ich lesen. Und alte Autos find ich auch fein anzusehen.



Gut, gut. Hier geht es ja eigentlich um Wohnmobile. Aber ein ordentliches Konzept sieht natürlich das Drumrum mit vor. Weshalb hier Gespanne stehen:

… rostige MZs:


… knallige Vespas:

und ein Hauch von Verwegenheit:

Aber bevor wir jetzt völlig abdriften, kehren wir doch besser zu den eigentlichen Objekten der Begierde zurück.
Zum Beispiel zum ersten serienmäßig gebauten Wohnwagen von Eriba/Hymer, dem Puck Luxus (anno 1958):

Ein knutschkugeliges Schwalbennest (von Knaus, anno 1961):

Und ursprünglich für Zirkusartisten gedachte zuckerschnucklige Nagetusch Brillant (anno 1963):

Überhaupt fand ich es sehr witzig, wie und warum die unterschiedlichen Gefährte gebaut wurden.
Fridel Edelmann wollte ihren Verlobten Arist Dethleffs auf seinen Geschäftsreisen begleiten. Konnte sie auch. Dethleffs baute das erste Wohnauto – einschließlich Hubdach, damit sie als Landschaftsmalerin ausreichend Licht und Platz zum Arbeiten hatte.
Max Würdig und seine Lebensgefährtin fanden als unverheiratetes Paar kein Zimmer auf der Urlaubsreise. Na denn, dann mal an die Abhilfe gemacht und das “Dübener Ei” konstruiert (hier ein Nachfolgemodell, der Würdig 301, anno 1970):

Natürlich klugscheiße ich das nicht so vor mich her. Ein Museum wäre kein Museum, böte es nicht Lese- und Zusatzguckfutter:

Etliche Fotos sitzen noch auf dem Rechner. Von Wagen und Inneneinrichtungen. Herzallerliebsten Häkelgardinchen und schrillen 70erJahre-Stoffmustern. Rosentapeten und bauernmalereigeschmückten Eicherustikalverkleidungen.
Geht selbst hin und guckt. Riecht diesen leichten Muff modernder Feuchtigkeit, der in dem einen und anderen alten Modell steckt. Grinst über die 50er-, 60er-, 70er Jahre-Betulichkeit (auch unterwegs gewahrt), die so manche Kindheitserinnerung weckt.


Wenn da nicht….
… unsägliche Kugellampen in den Wagen nerven würden. Wer hat sich das einfallen lassen? War das eine Großspende vom schwedischen Möbeldealer oder Restposten aus Insolvenzverfahren? Jedenfalls kein Lichtkonzept:

Sie machen den Gesamteindruck kaputt und stören immens das Fotografieren. Das wird überhaupt erschwert durch Fenster und Licht im Gebäude selbst. Ständig sind Schatten im Weg. Viel zu oft bedauerlich.
… und was sie auch noch ausbauen dürfen

Das museumspädagogische Konzept. Fängt nett an und verliert sich. Entweder ist das Geld, die Zeit oder die Lust ausgegangen. Einige Male schauten dieser Mann und ich uns mit hochgezogenen Brauen und einundvierzig Fragezeichen im Gesicht an.
Da muss die Museumsleitung noch mal dran. Wäre sonst schade drum.
Allerdings:
Auffallend aufmerksames und freundliches Personal arbeitet im Museum. Das unaufdringlich auch mal plaudert, erzählt, anbietet, Fotos zu machen. Komisch, dass ich erst wieder so etwas erleben muss, um zu merken, wie muffig manche Museums”aufsicht” genau nur diesen Dienst tut, anstatt für die BesucherInnen da zu sein.
Hier können sie das jedenfalls. Danke dafür
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Das Erwin-Hymer-Museum im Internet:
www.erwin-hymer-museum.de
und in echt in Bad Waldsee:
www.bad-waldsee.de
Geöffnet täglich (also keine “Montag hat das Museum zu”-Pause), es gibt ein kleines Restaurant mit internationaler Karte und einen kleinen Museumsshop. In dem mich nichts gereizt hat, zu kaufen. Aber das schiebe ich auch noch unter “sie fangen ja erst an”.
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Dieser Mann hat auch gebloggt. Aus seiner Sicht. Und mit seiner Kamera.
Kommentare
Eine Antwort auf “Sie ist weg… und das nicht allein”
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November 8th, 2011 @ 12:08
[...] eine “spinnerte Idee” sind wir schon ziemlich weit. So sind nicht nicht nur zwei Probe-Posts (1 / 2) auf unseren Blogs erschienen, auch das Blog steht schon. In den Grundzügen. Es gibt einen [...]