14. Februar 2013
von Susanne Butz
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Ich habe keinen Fernseher. Ich habe meine Twittertimeline, die mir zeitnah berichtet, was da so läuft.
Gestern zum Beispiel der ARD-Bericht über Leiharbeiter_innen bei Amazon. In der FAZ eine Frühkritik dazu. Was ich da lese, ist nicht neu. Über Arbeitsbedingungen und Steuerverhalten bei Amazon gibts schon länger Berichte.
Dass das kleine Geschäft, das keiner Ketten angehörte, schließen muss, wird brav bedauert. Ach, und diese schrecklichen Zustände in diesen Bekleidungsfabriken. Und ganz neu das Ding mit dem Pferdefleisch.
“Jaha, und Susanne, DU HAST DOCH AUCH EIN IPHONE! EINSELF!” [mit den Discounter-Tüten aus der Szene rausch]
Was ich nicht verstehe: dieses “bei Amazon bekomme ich das aber 10% billiger”.
Ist das Weiterdenken so schwierig, dass sich das “hier billiger, dort billiger” letztendlich bei sich selbst rächt? Bei irgendjemandem landet doch zum Schluss die Zeche. Was hier nicht mehr produziert wird, fehlt als Arbeitsplatz, Steuern, Infrastruktur, Kommunikation, Lebendigkeit. Wenn Preise gedrückt werden, kann der Laden vor Ort nicht mithalten. Wenn Preise gedrückt werden, muss in der Produktion gedrückt werden. Dann gibts eben wieder mal einen Lebensmittelskandal, der heute heftig rauscht – und übermorgen vergessen ist.
Sterben müssen wir ja eh alle und deshalb ist es wurscht, mit welchen Mitteln Pflanzen und Tiere hochgezogen, Textilien, Spielzeug, XYZ schick und preiswert hergestellt wurden. Oder so.
“UND IN DEINEM BIO GIBT ES AUCH SKANDALE! EINSELF!”
Als sei irgendeine Gruppe vor schwarzen Schafen gefeit. Aber Hirn einschalten und über sein Tun zu sinnieren, hat noch niemandem geschadet. Wer will denn für 2,40 €/h arbeiten? Aber die Milch bitte nicht mehr als 49 Cent?
Ich nehme die Leute aus, die wirklich wenig Geld haben. Die in einer ländlichen Infrastruktur leben, in der es eben kaum Möglichkeiten gibt, auszuwählen. Ich sehe auch über die Primarktüten in den Händen von Jugendlichen drüber weg – sollen sie sich austoben in ihrem Ausprobieren und Dazugehören. Um mich rum sehe ich jedoch genügend Menschen mit ausreichend Geld. Es geht nicht um Hundertprozentigkeit. Aber die Idee, in bestimmten Bereichen – in denen es mittlerweile viele Alternativen gibt – nicht der Gedankenlosigkeit nachzugeben. Um die geht es.
Ansonsten könnt Ihr Euere Aufgeregtheit gerne sein lassen.